Anna Schmitzberger & Lisa Vötter,A fetish is a fetish is a fetish, 2022.

Karlsplatzton & metallische Glasur.

Der Austausch von Waren wurde in der Geschichte der Menschheit schnell stark vereinfacht, indem allgemeine Äquivalenzformen als Tauschmittel verwendet wurden: Muscheln, Tiere oder Edelmetalle. Allerdings hat der Warenwert des Geldes mehr und mehr an Bedeutung verloren. Geld wurde zu einer abstrakten Verkörperung des Tauschwerts: Das Papiergeld war geboren, dessen materieller Wert, anders als beim Münzgeld, überhaupt nichts mehr mit seiner Funktion als Wertmesser zu tun hat. Auch die Ware Geld spaltet sich zwischen Gebrauchs- und Tauschwert.

Die Bedeutung der Materialität, die dem Fetisch zugrunde liegt, wird in Marx‘ Formulierungen des Fetischs als eine „Religion des sinnlichen Begehrens“1 deutlich. Der Begriff einer Materialität, die dem Fetisch innewohnt, wird hier anerkannt. Die menschliche Leidenschaft sowohl zu besitzen als auch besessen zu werden, entsteht innerhalb einer materiellen Dialektik zwischen menschlichen Sinnesroutinen und materiellen Objekten. Marx selbst zeigt die Schwierigkeit auf, innerhalb dieser Dialektik Subjekt und Objekt voneinander abzugrenzen.

Die Arbeit “a fetish is a fetish is a fetish” stellt die Frage, wo sich das Subjekt zwischen diesen Werten befindet. Vor allem drängt sich die Frage einer nicht-männlichen Formulierung einer Fetisch-Theorie auf, einer Befreiung aus dem Phallozentrischen: Es gibt keinen Ersatz für einen "realen" Mangel, sondern nur den Fetisch eines Fetischs, das materielle Zeichen einer begehrenden Fantasie, das sowohl ein "Objekt" als auch dessen Abwesenheit markiert.

1 Peter Pels, “The Spirit of Matter: On Fetish, Rarity, Fact, and Fancy”, in: Border Fetishisms. Material Objects in Unstable Spaces, hg. v. Patricia Spyer, New York/London: Routledge 1998, S. 101.

Text: Anna Schmitzberger & Lisa Vötter